Mitte September erhielt ich einen interessanten Anruf von Dr. Mohammad Motahar. Er lud mich ein, Teil seines Teams für die Teilnahme an der GRAVITY Challenge in Australien zu sein. Für mich war nur eine Frage wichtig: Handelt es sich bei der Veranstaltung um einen Hackathon? Die Antwort lautete „ja“ – und so war für mich klar, dass ich in jedem Fall teilnehmen würde. Erst später stellte ich fest, dass dieser Event weit höhere Anforderungen an die Teilnehmer stellte, als ein üblicher Hackathon. Aber dazu später mehr.

Die GRAVITY Challenge gestaltete sich als ein sechswöchiges Programm mit der Maßgabe aktuelle Problemstellungen aus der Industrie mit Hilfe von Raumfahrtdaten zu untersuchen und entsprechende Lösungen zu finden. teilnehmen konnten sowwohl Start-ups als auch Teams aus rennomeirten Forschungseinrichtungen, sowie aus etablierten Unternehmen und Organisationen. Die Teams bestanden sowohl aus Softwareentwickler, Business Analyst, Projektmanager bis hin zu Informatiker (CS, PM, SE, BA).

Der Startschuss fiel in Adelaide während des 8. Weltraumforums am Montag, den 30. September 2019. Unser Entwicklungsteam war in Melbourne und unser Drohnenpilot in Perth stationiert. Eine weitere Besonderheit war, dass alle Teams, die nicht vor Ort sein konnten, die Möglichkeit hatten, remote der Eröffnungsveranstaltung und den anschließenden Sitzungen beizuwohnen.

Ein kurzer Einwurf, den ich persönlich für jeden für jeden Hackathon-Teilnehmer als wichtig erachte: Mein Kollege Christian Brinker hat vor einiger Zeit bereits einen Blogartikel zum Thema „Wie gewinnt man einen Hackathon“ verfasst. Seine Einschätzung trifft es auf den Punkt:

“Hackathons machen Spaß. Sie bringen neue Ideen und Erweiterungsprojekte für die Cloud Foundry Community. Im Team mit Menschen aus der ganzen Welt und von verschiedenen Firmen an einem Projekt zusammen zu arbeiten, hat mich in jedem Fall immer sehr bereichert. Ich hoffe meine Tips bringen Euch weiter und ich bin überzeugt, dass jeder die Chance hat zu gewinnen. Ich drücke euch in jedem Fall die Daumen und freue mich auf den nächste Hackathon.“

Ich stimme Christian Brinker voll und ganz zu! Allem voran hat es Spaß gemacht. Die Herausforderung bestand darin zunächst eine Lösung zu entwerfen, die man kurze Zeit später wieder komplett überarbeiten musste. Eine einmalige Erfahrung, solche Prozesse,  gemeinsam mit einem professionellen Team aus unterschiedlichen Fachrichtungen zu erleben. Das neue an dieser Arbeit war für mich, dass während der  GAVITY Challenge,  jede entwickelte Funktion auf ihre Marktfähigkeit, die Nutzbarkeit für den Endbenutzer, die finanzielle Machbarkeit der Investition und natürlich die technologische Machbarkeit der Implementierung überprüft werden konnte.

Es waren wunderbare sechs Wochen, in denen ein schnell iteraktives System- und Ideendesign, die Validierung und die Prototyperstellung realisiert wurden. Die Erfahrung der Zusammenarbeit mit den besten AWS-Experten bei der Validierung der Architektur war einmalig. Wir standen in direktem Kontakt mit dem Entwicklungsleiter von Deloitte Australia um Feedback über die Idee der Patentierbarkeit, Kommerzialisierung und Produktentwicklung zu erhalten. Wir waren so in der Arbeit vertieft und auch motiviert, dass wir während der 48 Stunden vor der Einreichung der Projektarbeit, nicht geschlafen haben, um unsere Pitching-Präsentation abzuschließen. Ich denke das sagt alles!

Nach Abschluss der Präsentation, wurden die Beiträge durch eine ausgewählte Jury bewertet. Richter von der australischen Raumfahrtbehörde NASA, Deloitte und Amazon AWS wurden eingeladen. Beurteilt wurden sämtlche Einreichungen und Pitching-Präsentationen der Teams.

Unser Team wurde einer der Finalisten unter den anderen Top-Marken für den großen Beitrag der Entwicklung von Autopilot-APIs. Das Ziel war es, Drohnen als Servicelösung anzubieten und Kunden die Möglichkeit zu geben, Luftbildaufnahmen auf Anfrage ohne menschliche Intervention zu bestellen. Die vollständige Implementierung ermöglichte es den Endbenutzern, die Drohnenfotografie direkt zu verwalten, ohne die Notwendigkeit eines lizenzierten Piloten. Wir haben großartige Arbeit an der fortschrittlichen Drohnensimulation und -programmierung geleistet und eine skalierbare Architektur entworfen, um sie in die Cloud zu bringen. Man kann sagen, dass solche Entwicklungen ohne ein talentiertes und technisch kompetentes Team nicht zu realisieren sind.

Auch wenn wir letztendlich nicht auf dem Siegertreppchen standen, so haben wir es doch geschafft, uns neben den technischen Kompetenzen, durch weitere Skills abzuheben und etwas für unser weiteres Vorankommen mitzunehmen und zu lernen.

Ausschlaggebend ist Teamführung und Teamkompetenz. Doch es tauchen Fragen auf:

Welches sind die Schlüsselfaktoren, die ein erfolgreiches Team ausmachen?

Wie entwickle ich erfolgreich zukunftsfähige Technologien?

Dazu möchte ich im Folgenden einige Ansätze herausstellen.

Wie lerne ich surfen?

Australien gehört zu den bekanntesten Surforten dieser Welt, aber ich meine das Surfen für den Hackathon.

Surfen zu lernen, ist einer der Schlüsselfaktoren bei einem  Hackathon-Wettbewerb. Eine professionelle Surferin kennt die Wellen und sie paddelt, um die großen Wellen zu erwischen. Die Wellen stehen für die Tech-Trends des Jahres. Wenn Sie in der Lage sein wollen, das nächste Facebook, Instagram oder Twitter aufzubauen, müssen Sie zunächst die neusten Technologietrends verstehen, die auf den Markt kommen.

Internet der Dinge (IoT), AI und Machine Learning, Drohnen, Serverless Computing, Blockchain, 3D-Druck, Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) sind nur einige der wichtigsten Punkte auf der Liste.

Die Idee hier ist also, an Ihrer NPD (New Product Development) zu arbeiten, indem Sie eine dieser großen Wellen mitnehmen, um Ihre eigene Nische zu schaffen. Nehmen Sie zum Beispiel Augmented Reality. Eine große Welle baut sich auf, und wenn Sie ein Surfer sind, haben Sie vielleicht einige Ideen, wie Sie mit auf dieser Welle surfen können.

 

Wenn Sie sich das Video angesehen haben, werden Sie vielleicht darüber nachdenken, Anwendungen dafür zu entwickeln. Vergessen Sie nicht, dass es noch andere Surfer gibt, die auf diese Wellen warten, also beeilen Sie sich lieber! Schauen Sie sich zum Beispiel an, was ein Surfer mit diesen Technologien machen kann, indem er sie in funktionsfähige Dashboards integriert.

Denken Sie nicht über den Tellerrand hinaus

Es ist interessant, dass es immer noch Stellenanzeigen gibt, in denen gefordert wird, dass ein Kandidat „über den Tellerrand hinausschaut“. Obwohl das Denken über den Tellerrand hinaus eine positive Bedeutung hat, dass man seine Kreativität nicht auf diesen Tellerrand beschränkt, neige ich doch zu der Ansicht, dass es auf dem heutigen Markt komplexere Herausforderungen zu lösen gibt, die einen besseren Ansatz erfordern.

Die Art und Weise, wie ich versuche, zum Problemlösungsansatz in unserem Team beizutragen, folgt normalerweise einem anderen Prinzip, welches ich hier teile.

Es gibt einfach keinen Tellerrand….

Ja, ich ermutige Sie, darüber nachzudenken. Vergessen Sie den Tellerrand. Stellen Sie stattdessen grundlegende Fragen über den Teller. Wer hat den Teller definiert? Welchen Regeln liegt er zugrunde? Werden diese gebrochen wenn wir Produktfunktionen einschränken? Brainstorming ist ein wesentlicher Bestandteil eines jeden Hackathons, und Sie werden während des Wettbewerbs reichlich davon erleben. Brainstorming ist eine der besten Möglichkeiten, die Kreativität zu fördern. Vergessen Sie jedoch nicht, das Problem mit Ihrer eigenen Denkweise anzugehen.

Denken Sie um die Ecke…

Ich weiß, dass man nach allgemeinem Verständnis technisch ein Top-Experte für Hackathons sein muss, um eine technische Herausforderung zu bewältigen. Die Methode, mit der ich immer versuche, die Aufgaben in Hackathons (und auch bei der Arbeit) zu lösen, basiert einfach auf dem ersten Rat meines Vaters, als ich mich vor 14 Jahren für ein Informatikstudium entschied (mein Vater ist ein hoch gebildeter Serienunternehmer).

Er sagte: “In your career in the future, you will meet genius software engineers they can even write a code that can bend a spoon. If you want to be one of them do not just try to write your advanced code to bend the spoon because you won’t get there. Instead, try to bend your mind first and you will see the magic”.

Geparden-Programmierung

Wir dürfen keine Zeit verlieren. Wir haben eine Methode namens „Cheetah Development“ verwendet und wir haben allen immer wieder gesagt, dass sie diese so genannte „unsere Methodik“ befolgen sollen. Für diejenigen unter Ihnen, die es vielleicht nicht wissen, der Gepard ist das schnellste Landtier der Welt. Die Philosophie, die dahinter steht, ist einer Art superbeweglicher Methodik zu folgen. Dabei definiert der Gepardenmeister Mikroaufgaben für alle Geparden (Teammitglieder) und arbeitet mit ihnen zusammen, um ihnen dabei zu helfen, ihre Geschwindigkeit bei der Leistungserbringung aufrechtzuerhalten. Die Aufgaben reichen von der Erstellung von Prototypen über die Programmierung bis hin zur Nichtprogrammierung. Ein Beispiel: Als wir eine fortschrittliche Drohnenausrüstung kaufen mussten, dauerte der gesamte Suchprozess für einen Zuschuss bis zur Einreichung des Antrags dank unserer Freunde bei Linux Australia nur drei Stunden für ein schnelles Genehmigungsverfahren.

Sie können den Projektfortschrittsbericht im Jahresberichtsdokument für Linux Australia unter folgendem Link nachlesen. Um dort unsere Rubrik zu finden, suchen Sie einfach meinen Namen, Shiva Mostafavi oder unseren Firmennamen, evoila.

https://linux.org.au/wp-content/uploads/2020/01/annual-report-2020-hires-combined.pdf

Fazit

Ich denke, es gibt viele Möglichkeiten mit denen wir unsere technischen Fähigkeiten verbessern können, um uns auf die Teilnahme an solchen Wettbewerben vorzubereiten oder sogar ein Startup-Team zur Entwicklung unseres neuen Produkts zu leiten. Ich glaube jedoch, dass ein echter Erfolg in diesen Szenarien jemanden erfordert, der seine Fähigkeiten und Fertigkeiten auch in anderen Dimensionen entwickeln und verbessern kann. Jemand, der nicht nur technisch kompetent ist, sondern auch eine klare Vision und die Entschlossenheit hat, diese zu erreichen. Jemand, der an seine Prinzipien glaubt und hart für den Erfolg arbeitet und niemals aufgibt.

Oben sind nur ein paar Prinzipien eines Teammitglieds eines kleinen Teams aufgeführt, die für Sie Licht in Ihre Vision bringen sollen, sei es bei der Arbeit oder im Leben, wenn Sie sich dafür entscheiden, sie zu akzeptieren.

Fröhliches Erfinden.